Schülerin sucht Interviewpartner (Facharbeit)  (Gelesen 25054 mal)

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Offline kristin17

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Guten Tag,

mein Name ist Kristin L., ich bin 17 Jahre alt und besuche die 11. Klasse eines Gymnasiums in Niedersachsen. Zur Zeit schreibe ich eine Facharbeit zum Thema "Koma und Wachkoma - medizinische und ethise Aspekte" und beschäftige mich nun schon seit einigen Wochen mit den Problemen, die auf Angehörige von Komapatienten zukommen. Das Thema interessiert mich sehr.

Im Rahmen dieser Facharbeit möchte ich gern ein Interview mit einer betroffenen Person - sprich einem Angehörigen - führen und so aus erster Hand Informationen und Erfahrungsberichte sammeln. Mich interessiert, was ein Angehöriger fühlt, wenn er ein en geliebten Menschen verlieren muss. Im letzten Jahr bin ich indirekt mit dem Thema Koma in Berührung gekommen, als ein Freund nach einem Autounfall sein Bewusstsein verlor.

Nun wäre ich sehr dankbar, wenn sich eventuell jemand von den Aktiven hier im Forum bereiterklären könnte, mir ein paar Fragen (höchstens 10) zu beantworten. Sie können selbst entscheiden, wie viel sie sagen möchten; ich möchte hier niemanden aushorchen. Die Ergebnisse des Interviews werden zuerst nur meiner Fachlehrerin (Seminarfach Medizin und Technik) vorgelegt. Eventuell möchte ich meine Arbeit später auch zur öffentlichen Einsicht an meiner Schule freigeben, aber wenn sie nicht möchten, dass ihre Aussagen veröffentlicht werden, kann ich darauf auch verzichten.

Beim Lesen der Beiträge habe ich schon einen vagen Eindruck bekommen und gemerkt, wie problematisch ein Koma sein kann. Durch das Interview möchte ich nun direkt Erfahrungen sammeln.

Ich bedanke mich schon im Vorraus,
mit freundlichen Grüßen,

Kristin L.

Offline Nicole26

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Hey kristin... Ich kann dir schon mal soweit sagen, dass aktiv im Moment nur drei Mitglieder hier drin sind. Das ist die Caro43, der THB und Ich... Es kommen immer mal Gäste reingeschaut aber die schreiben ja auch nix rein.

Cooles Thema was du da hast, hab auch erst jetzt meine Facharbeit "Das apallische Syndrom mit Hinblick auf die Langzeitpflege" abgegeben. Muss die aber nochmal überarbeiten, weil wir durften maximal 30 Seiten schreiben und das ist echt wenig für das Thema find ich.... Ich weiß nicht wieviel du schreiben darfst, aber es wäre sicher von Vorteil, dir nicht nur eine Meinung reinzuholen, weil sie in manchen Punkten ähneln aber an anderen auch ganz verschieden sein können. THB hat zum Beispiel seinen Kleinen, der im Wachkoma liegt und das alles noch sehr frisch... Das ist wieder ein riesen Unterschied zu mir zum Beispiel...

Ich kann mir deine Fragen ja gern mal ansehen, wenn Du magst.

LG Nicole

Offline kristin17

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Hey Nicole,

wie nett von dir, ich dachte schon, alle lehnen das ab und halten mich für verrückt. ;)

Naja, das Problem ist, ich darf nur 15 Seiten schreiben und das ist unmöglich! Ich würde mich dann also nur auf eine Meinung beschränken. Supergern würde ich mehr wissen, aber ich bin jetzt schon auf Seite 8 und hab noch zwei große Kapitel vor mir.

Du scheinst mir ja sehr kompetent zu sein und ich find es supernett, dass du mir zu einer guten Note verhelfen willst. :) Ich denke, ich stelle die Fragen einfach mal stickpunktartig hier rein und bau deine Antworten dann in den Text ein. Du musst dann auch keinen Roman schreiben; darfst du schon, aber ich würde dann kürzen müssen und das mach ich ungern.

Hier erstmal die Fragen (ich nehme mal das Du):

-Wann und wie bist du das erste Mal mit dem Thema Wachkoma in Berührung gekommen?
-Welche Schwierigkeiten ergeben sich für das alltägliche Leben bzw. wie gehst du im Alltag damit um?
-Hast du schon Erfahrung mit Patientenverfügung etc. gemacht (Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen)?
-Wie hat sich deine Lebensqualität verändert und wie denkst du hat sich die des Betroffenen verändert?
-Wie siehst du die deine Zukunft und die deines Angehörigen?

Das wären so die essentiellen Fragen, ansonsten bräuchte ich noch allgemeine Angaben wie Alter etc., aber das kann man ja auch verändern. Wenn du möchtest, können wir das auch über eMail kommunizieren.

Die Leitfrage meiner Facharbeit bezieht sich, wie ja oben schon erwähnt, auf die entstehenden Probleme. Und ich denke / kann mir vorstellen, dass das nicht wenige sind. :(

Ich danke danke danke dir für deine Hilfe und wünsche dir alles Gute (ich denke, das kann man nicht oft genug wünschen) !

Viele Grüße, Kristin. :)

Offline caro43

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Hallo Kristin,

ich ziehe vor jedem den Hut, der sich mit diesem Thema beschäftigt. Wie Du schon richtig erkannt hast, ist Nicole unwahrscheinlich gut unterwegs mit ihrem Wissen. Sollten sich jedoch dennoch Lücken in Deinen Recherchen befinden, kannst Du gerne Infos aus meinen Beiträgen im Forum nehmen. Ich gehöre leider zu denjenigen, die als Angehörige massive Probleme hat, damit zurechtzukommen. Wenn ich Dir noch Fragen beantworten kann, jederzeit gerne! Es gibt auf diesem Gebiet viel zu wenig Menschen, die sich auskennen. Ob man nach Foren, Kurkliniken etc. sucht ... es ist erschreckend wie wenig zu diesem Thema zu finden ist.

... und "verrückt" bist Du keinesfalls!!!!!!

Ich wünsch Dir ganz viel Erfolg für Deine Arbeit!!!

Liebe Grüße, Caro.

Offline Nicole26

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Hey Kristin,

Ach ist doch nicht verrückt.. Ich find die Idee gut.. In Büchern steht immer viel, aber auch viel Theorie. Von daher ist das ne gute Sache..

15 Seiten!!!!! Sehr witzig.... Wenn dir noch jemand anders die Fragen beantwortet, dann kannst die doch in den Anhang nehmen oder dürft ihr das nicht?

Kompetent ist schwer zu sagen..............

So nun mal los ich hoffe das ist Okay wenn ich das hier reinschreibe, hab ja hier nix zu verheimlichen und dann können sich die anderen eine Meinung darüber bilden.... Ich halte mich kurz, aber wenn du mehr wissen möchtest, dann quetsch mich ruhig aus ;-)


Also wann und wie ich mit Wachkoma in Berührung gekommen bin:
Meine Mutti ist im Mai 2001 im Alter von 40 Jahren nach einem Herzinfarkt und mehrmaliger Reanimation ins Koma gefallen. Nach wenigen Wochen, nach denen sie auch nach Beendigung der Sedierung nicht zu Bewusstsein kam, wurde die Diagnose hypoxisch verursachtes Wachkoma gestellt. (hypoxisch= durch Sauerstoffmangel)

Schwierigkeiten für den Alltag:
Es ist nichts mehr so wie es war. Ein riesen Schock. Die psychische Last war sehr hoch und man begriff nicht, was geschah. Für mich war es sehr schwer, dass ich die ersten vier Wochen nicht zu Ihr durfte, weil ich mit meinen 12 Jahren noch nicht auf die Intensivstation durfte. Dann hab ich sie das erste Mal gesehen, zweiter Schock! Sie hatte sich äusserlich sehr verändert. Überall Kabel und Schläuche und eine Trachealkanüle im Hals.
Man muss das halbe Leben umstellen. Wenn sie den Haushalt vorher machte, musste das jetzt übernommen werden. Organisatorisch musste sehr viel erledigt werden und dann noch Besuche und Konzentration auf die Schule. In der nachfolgenden Zeit, in der sie in der Rehaklinik war, konnten ich und meine Familie sie nur am Wochenende besuchen, weil mein Vater es zeitlich nicht anders geschafft hat, dahin zu fahren. Meine Familie ist durch die allgemeine Situation ziemlich kaputt gegangen. Gründe dafür waren einige Vorwürfe, dass wir an ihrem Zustand schuld seien und auch unterschiedliche Meinungen dazu herrschen, inwieweit ihr Leben erhalten werden soll. Ein weiteres Problem ist für mich die Pflegeeinrichtung. Zum Ersten starrt sie dort nur noch den ganzen Tag die weiße Wand an und zum Zweiten leisten die Mitarbeiter keine gute Angehörigenarbeit. Ich fühl mich dort zwar toleriert aber nicht akzeptiert. Es war nie möglich mit den Pflegern ein Gespräch zu führen. Das macht eine Zusammenarbeit nicht möglich.
Ich habe nach fast neun Jahren immer noch Schwierigkeiten, mit meiner Mutti zu reden. Es fällt mir sehr schwer, sie da so liegen zu sehen und nicht zu wissen, was sie denkt, ob sie überhaupt etwas wahrnimmt, was sie fühlt, was sie will. Das ist sehr schwer für mich. Meine anderen Geschwister (alle älter als ich, gehen sie gar nicht mehr besuchen. (Kürze das ruhig wenn du magst oder musst, nur wie du schon geschrieben hast, kommt eine Schwierigkeit nach der anderen und das war nur ein kleiner Teil)

Erfahrung mit Patientenverfügung:
Meine Mutter hat damals keine Patientenverfügung für sich abgeschlossen. Die Tatsache, dass sie früher nur davon sprach, niemals in einem solchen oder ähnlichen Zustand am Leben erhalten werden zu wollen, nützt ihr demnach nichts. Letztes Jahr war sie sehr oft im Krankenhaus. Die Ärzte fragten sehr oft, was wir für sie tun lassen wollen. Eine wenn nötige Reanimation oder Nierendialyse haben wir abgesprochen, dass dies nicht eingesetzt werden soll. Selbst der Entfernung einer Niere haben wir zugestimmt, da die Entzündung sie sonst umgebracht hätte. Die einzig immer bestehende lebenserhaltende Maßnahme ist die künstliche Ernährung. Diese abzustellen, muss gerichtlich eingereicht werden und wird äusserst selten zugelassen. Dies würde nach meiner Meinung aber nicht in Frage kommen, denn einen Menschen verhungern zu lassen, interpretiere ich nicht als Sterbehilfe sondern als Mord.

Wie hat sich meine Lebensqualität verändert und die meiner Mutter:
Meine Mutter hat vor dem Herzinfarkt sehr ungesund gelebt (sehr viel Nikotin und Alkohol). Von diesen Giften ist ihr Körper jetzt befreit, das wahrscheinlich einzig gute an ihrem jetzigen Leben. Sie kann hören, vielleicht kann sie auch sehen, aber sie zeigte in den ganzen Jahren keine sinnvolle Reaktion auf jegliche Worte. Sie liegt den ganzen Tag im Bett, starrt die Wand an. In den Rollstuhl wurde sie seit Beginn des Heimaufenthaltes kaum gesetzt und jetzt ist die Hüfte so versteift, dass es nicht mehr möglich ist. Ergotherapie bekommt sie auch nicht mehr, da die Krankenkasse das bei ihr nicht mehr übernimmt, weil kaum Fortschritte erreicht wurden. Sie hat nichts vom Leben, gar nichts...... (Dazu möchte ich aber sagen, dass nicht jede Pflegeeinrichtung ihre Patienten so abfertigt.)
Zu meiner Lebensqualität: Ich weiß nicht, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn es diesen Vorfall nicht gegeben hätte. Ich war damals erst 12 und ich musste von einem Tag auf den Anderen sehr selbständig und erwachsen werden. Es hat mich unwahrscheinlich stark gemacht auch wenn es mir oft sehr schlecht geht. Ich habe teilweise andere Vorstellungen vom Leben als meine Freunde, das heißt, ich schätze die ganz kleinen Dinge, die andere als selbstverständlich ansehen. Ich rauche nicht und trinke Alkohol in den äußersten Ausnahmefällen. Ich werde privat als auch beruflich mit dem Thema Wachkoma konfrontiert. Ich habe mich dafür entschieden, aber es wird nie einfach für mich werden.

Wie seh ich die Zukunft meiner Mutter und meine Eigene?:
Wenn man den Zeilen aus verschiedensten Büchern glaubt, dann sterben Menschen, die durch Sauerstoffmangel im Wachkoma liegen und in keine Remission (Rückbildung des Wachkomazustandes) eingetreten sind, nach 3-5 Jahren. Meine Mutter liegt nun seit fast neun Jahren im Wachkoma.................. Ihr Zustand hat sich in den ganzen Jahren nicht merkbar geändert. Seit letztem Jahr neigt sich alles eher in die negative Richtung. Ihr Zustand war aufgrund von Lungenentzündungen, schweren Harnwegsinfekten und daraus folgenden Sepsen (Urosepsis) oftmals kritisch. Zudem ist sie seit 2003 von einem MRPA-Erreger befallen, ein sogenannter Krankenhauskeim, der diese Infekte verursacht. Dieser multiresistente Erreger ist resistent gegen Antibiotikum, welches bei ihr aber zur Behandlung sehr wichtig ist. Auch wenn es schwer auszusprechen ist, denke ich, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sie diesen Infekten nicht mehr standhalten kann.
Wie sieht meine Zukunft aus? Ich habe meine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin
fast abgeschlossen, beginne in wenigen Tagen mein Abschlusspraktikum
in einer Einrichtung, wo es unter anderem auch Wachkomapatienten gibt und werde dort weitere Erfahrungen sammeln. Nach einer Weiterbildung zum Heilpädagogen oder einer Zusatzausbildung zur Krankenpflegerin möchte ich dann später mit Menschen im Wachkoma arbeiten. Ich möchte meine eigenen Erfahrungen weitergeben, erweitern und einsetzen und ich möchte versuchen es zu erreichen, dass es anderen Menschen im Wachkoma und deren Angehörigen besser geht, als es bei meiner Mutter der Fall ist.



Oh mein Gott hab ich viel geschrieben und doch wenig für neun Jahre... Hab echt schon versucht mich kurz zu halten.... Wenn ich zuviel geschrieben hab, dann such dir das für dich wichtigste aus... hm hoffe du hast damit keine Probleme :-/ Sag einfach nochmal Bescheid, wies dir gefällt und ob du an irgendeiner Stelle noch mehr wissen möchtest oder ob man etwas anders schreiben kann ( ich bin immer sehr direkt :-(    ) oder oder oder....

Okay liebe Grüße erstmal und bis denne

Nicole

Offline Nicole26

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Oh mist du musst sicher wirklich kürzen :-( tut mir leid, wenns zu viel ist...

Aber sag mir das ruhig, reiß dir nich deinen Kopf ab...

Vielleicht findest du auch was brauchbares in den Beiträgen von mir, da steht alles mögliche drin...

Good luck

Offline kristin17

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Hey Nicole,

danke für deine Mühe, das Ganze ist echt erschlagend - auch emotional. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn jemand aus meiner Familie in so eine Situation geraten würde. Ich denke, es wird deutlich, wie belastend das ist, wenn ein Angehöriger im Wachkoma liegt.

Dass du so viel Text geschrieben hast ist nicht schlimm. Ich denke, ich ziehe mir das Essentielle für das Kapitel raus und mache dann den ganzen Text in den Anhang. Damit hat meine Lehrerin bestimmt kein Problem. Und der Anhang zählt ja auch nicht in die mikrigen 15 Seiten. :)

Danke nochmal, du hilfst mir wirklich sehr, ich weiß das zu schätzen. Und ich denke, je länger ich über deinen Fall nachdenke, desto bewusster wird mir deine Lage. Vielleicht darf ich ja sogar an deinem Fall dranbleiben. (?)

Viel Glück noch für dich, ich glaub, du packst das. ;)

Kristin

Offline kristin17

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Achja, und Caro.

Wenn du magst, kannst du gerne aus deiner Sicht noch auf meine Fragen eingehen. Infos sind nie schlecht. ;)

Viel Glück,
Kristin

Offline Nicole26

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Hey kristin... Sagen wirs so ich bin froh dir eine Hilfe gewesen zu sein, deswegen können wir beide froh sein ;-)

Klar kannst das in den Anhang tun und wenn de da 100 Seiten reinmachst ist auch egal, nur die Frage wers liest..

Wenn du weiterhin Fragen hast, kein Problem... Ich schreib ja auch mit den anderen hier und da kannst dir sicher auch das ein oder andere rausfischen... Aber so viele Neuigkeiten gibts bei mir nicht, ausser der Krankenhausgeschichten :-(

Viel Glück mit der Arbeit..

Wie geht es deinem Freund? Oder besser gesagt dem einen Freund von dir. Ist er wieder okay?

LG Nicole

Offline caro43

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Hallo Kristin,

ich werd mal versuchen, ein paar Dinge in Kurzfassung zu bringen, die meine Mutti betreffen:

Patientenverfügung:

Ich habe eine, in der allerdings keine konkreten Maßnahmen beschrieben sind. Ich bin schon öfters angesprochen worden, von wegen ... kann man da nichts machen? ... ist doch Quälerei... usw. Da kommt man sich richtig schlecht vor, aber ... kein Arzt, keine Schwester, wer auch immer ist in der Lage, eine Prognose abzugeben. Wenn auch die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass sie wieder aufwacht, so ist sie doch größer als 0 % ... ICH WERDE MEINE MUTTI NICHT UMBRINGEN!! So, wie sie daliegt, ist sie organisch total gesund. Die Gerätschaften könnten jederzeit entfernt werden, wenn sie aufwachen sollte. Sie ist stabil, kaum im Krankenhaus, höchstens mal eine kleine Erkältung.

Da sind wir auch schon bei der Prognose für ihre Zukunft: Sind jetzt 4 1/4 Jahre und es kann noch jahrelang so weitergehen!! Sie hat ein starkes Herz. Sie ist jetzt 74 Jahre alt. War immer gesund.

Sie hatte viele Freunde, darunter auch eine Ärztin ... egal ... die haben sich ALLE verabschiedet ... sie könnten mit der Situation nicht umgehen, toll!!!

Meine Kinder, damals 7 und 14, haben sie nicht vergessen, gehen aber nicht hin, weil sie es nicht ertragen. Mittlerweile finde ich das richtig, dass sie ihren kindlichen Schutzmechanismus ausfahren. Es reicht, wenn es mir schlecht geht. Sie haben ihr Leben noch vor sich. Da kommt noch genug auf sie zu.

Mein jetziger Mann kennt meine Mutti garnicht. Dementsprechend allein bin ich mit dem Thema, zumal keine Verwandten meiner Mutti mehr da sind, keine Freunde. Ich bin die Einzige ... und das macht das Problem nur noch schlimmer, da um mich rum nicht wirklich jemand weiß, wie es in mir aussieht und mir demzufolge auch niemand helfen kann.

Was den Alltag betrifft ... wir hatten ein sehr enges Verhältnis, Geben und Nehmen gleichermaßen. Der Eine war immer für den anderen da. Das fehlt mir!! Ich bin ein recht selbstständiger Mensch, und trotzdem fehlt es mir, dass auch mal jemand für mich da ist, ohne dass man was sagen muss.

Egal was man tut, die Gedanken an meine Mutti sind überall. Jeder Tag besteht aus einem inneren Luftanhalten, um ihn zu überstehen. Man will ja seine Umgebung nicht zu sehr nerven.

Zukunft?? Ich werde eine psychologische Behandlung anstreben, die mir hilft, mein Leben wieder mit positiveren Augen zu sehen. Ich fürchte jedoch, dass das mit zunehmenden Jahren immer schwerer wird, gegenzusteuern.

Wenn jemand Liebes stirbt, ist das ganz schlimm, keine Frage!! Man hat aber einen Punkt x, bei dem man die Chance hat, sich aus der Trauer rauszuarbeiten. Wie man immer so schön sagt "Zeit heilt alle Wunden". Bei Wachkoma aber steht man jeden Tag wieder an der selben Stelle, ... und ist hilflos.

Viel Glück für Deine Facharbeit. Ich denk an Dich!!

Liebe Grüße, Caro.

Offline kristin17

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Hey !

Danke, Caro, auch für deine Hilfe. Ich merke schon, dass man sich offensichtlich ganz schön alleine fühlen muss mit so einem Schicksal. Obwohl das die ganze Sache auch nur schlimmer macht. Ich werd das auf jeden Fall aufnehmen.

Nicole, ich denke, ich werde darauf hinweisen und dass meine Lehrerin sich das auch durchliest. Ich finde, jeder sollte mal die andere Seite kennenlernen.

Nunja, ich kannte ihn damals noch nicht wirklich lange, erst seit einem Jahr. Aber er war immer ein lebensfroher Kerl, der allem positiv gegenüber stand. Zum 18. Geburtstag hat er einen Fallschirmsprung geschenkt bekommen, ein Adrenalinsüchtiger vielleicht. ;) Und da fand ich es umso trauriger, dass er auf einmal so gar nichts mehr tun konnte. Das Problem war auch, dass ich die Infos auch nur aus zweiter Hand hatte und deshalb jetzt gar nicht weiß, wie es ihm im Moment geht. Vor ein paar Monaten hab ich Fotos gesehen - und er sah wirklich ganz anders aus. Aber er hat auch schon wieder gelächelt, wobei ich ja nun weiß, dass das nichts heißen muss. Traurige Sache, und wenn wir uns besser gekannt hätten, wär's noch schlimmer gewesen. Ich hab ihn schon nach kurzer Zeit in mein Herz geschlossen. War ein guter Mensch, solche bräuchte die Welt mehr.

Seitdem hab ich eine Abneigung gegenüber Taxifahrern, er wurde damals angefahren.

Liebe Grüße,
Kristin

Offline Nicole26

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Hey kristin..

Ist ja echt Mist mit deinem Kumpel.. Das Leben kann so schnell vorbei sein. Von jetzt auf gleich. Ich kann dir aber sagen, dass Menschen im Wachkoma die ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten haben, eine viel bessere Prognose haben, als die mit Sauerstoffmangel. Aber sicher hast du das auch schon gelesen..

Wann musst du deine Facharbeit denn abgeben? Ich hab meine erst vor zwei Wochen abgegeben..

LG Nicole

Offline kristin17

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Am 15.3. ist Abgabetermin, aber wir haben noch Verlängerung bekommen. Wenn du möchtest, kann ich dir die Facharbeit ja mal schicken. Und vielleicht hast du noch Ergänzungen für mich?

Offline Nicole26

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Also ich will meine ja auch noch weiter schreiben, wenn de magst kann ich dir das aber auch mal schicken, was ich bis jetzt hab.. Bin nicht sehr zufrieden damit weil ich zu spät angefangen hab und sehr unter Druck arbeiten musste. Ja wir mussten die auch gleich zweieinhalb Wochen nach den Prüfungen abgeben war sehr blöd gemacht... Aber du kannst mir das gern mal schicken meine Mailadresse haste ja... Und dann kann ich dir meine auch mal schicken..

LG Nicole

Offline kristin17

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Okay. Mal gucken, wie viel ich am Wochenende noch schaffe, da ich auch noch Mathe lernen muss. Schule Schule Schule ... :(


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